“Ich bin Bettmensch” und du?

Wer mich kennt, der weiß, warum ich mich mit dem Refrain des Songs von Olli Schulz sehr gut identifizieren kann! So sehr ich es auch liebe draußen zu sein, es gibt fast nichts Schöneres als abends in meinem Bett zu liegen. Meist bleibt im Alltag wenig Zeit, mal richtig abzuschalten und so laufen das Herz, der Puls und die Atmung Tag und Nacht auf Hochtouren. Liegst du nach langen Arbeitstagen manchmal im Bett und zählst die Stunden, die dir noch zum Schlafen bleiben? Da heißt es: schnell einschlafen, bis es wieder losgeht. Doch wenn oft genug auf Anspannung keine Entspannung folgt, weiß dein Körper irgendwann nicht mehr, wie er überhaupt abschaltet. Ich merke das z.B. daran, dass ich in eigentlich entspannten Situationen am Wochenende das Gefühl habe, was machen zu müssen.

Inzwischen scheint sich in der Gesellschaft zum Thema Entspannung etwas zu regen. Kennst du auch den ein oder anderen, der neuerdings einen Meditationskurs besucht oder „achtsamer“ leben will? Auch wenn es dir vielleicht komisch oder wie einer von vielen Trends vorkommt, ich bin so froh, dass dieser Wandel passiert. Nicht nur, weil es dann mehr Bettmenschen gibt😉. Entspannung ist neben Ernährung, Wertschätzung und Bewegung eine der vier grundlegenden physiologischen und psychologischen Gesetzmäßigkeiten. Wen auch immer du dir vorstellst: deinen Chef, deine Freunde, Familie und selbst die Bundeskanzlerin, jeder würde krank werden, wenn er nicht auf diese Prinzipien achtet. Wenn wir den Satz mal positiv drehen, dann heißt das, dass ich vollkommen überzeugt davon bin, dass die meisten Erkrankungen vermieden werden können, wenn Erholung ein Teil der Arbeit wäre. Dann würde nicht mehr zu den Menschen, die nonstop schuften aufgesehen werden, sondern zu denen, die für sich sorgen und ihre Gesundheit damit selber in die Hand nehmen. Die Unternehmen, die die Gesundheit ihrer Mitarbeiter als Wirtschaftsgut ansehen, werden es aus meiner Sicht immer einfacher haben, Nachwuchskräfte zu rekrutieren, die Fluktuationsrate und Krankheitstage zu reduzieren und den Unternehmenserfolg zu erhöhen. Würde es dir auf der Suche nach einem neuen Job nicht gefallen, wenn du einmal die Woche eine Massage bekommst, die dein Unternehmen dir steuer- und sozialabgabenfrei zukommen lassen kann?

Dass die Wichtigkeit von Entspannung leider noch nicht in allen Köpfen so präsent ist, führt oft dazu, dass wir vor lauter Stress und Aufgaben nicht abschalten können. Die Studie „Schlaf gut, Deutschland“ kam zu dem Ergebnis, dass ein Viertel der Erwachsenen nicht auf die von Experten empfohlenen sechs Stunden Schlaf kommt.

Was ist da los in Deutschlands Schlafzimmern? Ist der kurze Schlaf ein Phänomen der industrialisierten Länder? Nein! Unsere Vorfahren schliefen nicht länger als wir aber besser. Viele Naturvölker haben nicht mal einen Begriff zu „Schlafstörungen“.

Generell ist es doch eine verrückte Vorstellung, dass wir gut ein Drittel unserer Lebenszeit einfach verschlafen. Wenn du dich an dieser Stelle immer noch fragst, ob das wirklich sein muss, sag ich nur: „Ja, ja ja!“. Dein Körper nutzt die Zeit, in der du vor dich hin träumst nämlich wahnsinnig gut aus. Es erfolgt sozusagen eine innerliche „Restaurierung“. Denn all der neurotoxische Müll, der bei den tagtäglichen Gehirnaktivitäten entsteht und im Verdacht steht, viele Erkrankungen z.B. Parkinson auszulösen, kann nachts viel schneller als tagsüber „entsorgt“ werden.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt von Schlaf ist das Lernen. Das Gehirn überprüft nachts nämlich auch, welche am Tag gesammelten Infos relevant und somit sozusagen vom Kurzzeitspeicher (Hippocampus) in dein Langzeitgedächtnis geladen werden müssen. Über Nacht sind wir somit in der Lage eine Aufgabe lösen zu können, die am Abend zuvor unlösbar schien. Wenn du z.B. in der Prüfungsphase bist, ist es absolut wichtig, gut zu schlafen!

Davon mal abgesehen ist der Schlaf für deinen Körper das Schlaraffenland. Er kann ungestört Nährstoffe aufnehmen und das Immunsystem stärken ohne, dass du ihm in die Quere kommst. In der sogenannten Rapid-Eye-Movement Phase ist deine Muskulatur fast komplett gelähmt, sodass die Nerven sich mal richtig erholen und die Zellen sich erneuern können. WOW! Wenn wir uns all das mal auf der Zunge zergehen lassen, sollten wir alle „Bettmenschen sein“!

Kommst du auf rund 7-8 Stunden Schlaf pro Nacht? Dann kannst du dich zu den Menschen zählen, die zumindest laut der Techniker Krankenkasse seltener krank sind und sogar bis zu sechs REM-Phasen pro Nacht erleben. Wenn du eher kurze Nächte hast, oft wach liegst oder dich morgens noch völlig gerädert an deine Träume erinnerst, dann schau dir doch hier meine ganz natürlichen Tipps & Tricks für einen entspannten Schlaf auch ohne Schlaftabletten an.

Tipps & Tricks für deinen Tag

  • Beobachte deinen Körper immer wieder zwischendurch. Bist du oft gestresst? Welche Situationen lösen den Stress aus und wie äußert er sich in deinem Körper? Wann schläfst du gut / wann eher schlecht und wie äußert sich das am folgenden Tag?
  • Denk mal darüber nach, wie du dich statt „gestresst“, „schlaflos“, „angespannt“ lieber fühlen würdest, wie du deinen Schlaf gerne hättest und wie sich das auf deinen Alltag auswirken könnte
  • Frag dich, was dir tagsüber guttut und wobei du ganz für dich allein abschalten kannst / zur Ruhe kommst. Probiere auch gerne verschiedene Dinge aus. Schreib am besten alles auf, was dir einfällt.
    • Bei mir ist es z.B. am Wasser spazieren gehen, meditieren, ausgiebig duschen, Massage, Augen für ein paar Minuten schließen und die Atmung beobachten
  • Überleg dir konkrete Routinen im Alltag (sowohl für die Arbeit als auch für die Freizeit), in denen es mgl. ist, die unter 1. von dir genannten Dinge einzubauen. Wenn Vorbereitungen nötig sind, mach diese im Voraus. Wenn du an dem Punkt feststellst, dass nichts davon in deinem Job umsetzbar ist, ist es vielleicht mal Zeit für einen neuen😉.
    • statt in der Mittagspause jeden Tag vor dem PC zu essen, spazieren gehen und ein Lunchpaket mitnehmen, dass du auf einer Bank essen kannst
    • statt abends vor dem Fernseher zu sitzen, mal einen Abendspaziergang machen und dabei mal nur auf deine Erfolge heute, statt auf deine To Do’s des nächsten Tages konzentrieren
  • Führe ein paar dieser Routinen ein und schau, was für dich am besten umsetzbar ist und dich am meisten entspannt

Tipps&Tricks für deinen Abend

    • Mache spätabends keinen Sport mehr. Dein Körper fährt sonst nochmal richtig hoch.
    • Esse abends eher früh und dann ein leichtes statt schwerverdauliches Essen (Fisch, Fleisch, Rohkost eher mittags essen).
    • Trinke abends statt Kaffee / schwarzen oder Grünen Tee eher Kräutertees oder eine goldene Milch
    • Dein Smartphone simuliert deinem Körper abends durch das Blaulicht, dass Tag ist. Lass deine Schlaftiefe nicht durch helle Displays beeinflussen und nutze den „Nachtmodus“ deines Smartphones bzw. installier dir hierzu eine App z.B. Twilight.
    • Geh wenn mgl. spätestens um 22 Uhr schlafen (von 22-2 Uhr morgens ist Wachstums-, Reinigungs- und Regenerationsphase, nach 22 Uhr wird es schwerer einzuschlafen) und steh gegen 6 Uhr auf (von 2-6 Uhr wird der Schlaf flacher).
    • Dein Schlafzimmer ist deine Entspannungszone: Arbeitskleidung- und material haben da nichts zu suchen, gestalte das Schlafzimmer gemütlich, denn es soll dein persönlicher Rückzugsort sein (das Schlafzimmer ist kein Abstellraum😉), sorg für komplette Dunkelheit und kühle Temperatur (16-18°).
    • Heuschnupfengeplagte unter euch: Schaut mal nach Innenraumfiltern oder Fenstergittern, ansonsten hilft es natürlich auch erstmal, die Klamotten außerhalb des Schlafzimmers auszuziehen, abends zu duschen und Haare zu waschen.
    • Beobachte mal, wie deine Routinen direkt vor dem Schlafen gehen sind und ob hier schon jetzt entspannende Dinge enthalten sind. Ansonsten probiere auch hier, was dich so richtig tiefenentspannt macht, sodass du ohne Gedankenkarusell in’s Bett gehst.
      • statt TV mal ruhige Musik anmachen, darüber nachdenken, wie der Tag gelaufen ist, für welche Erlebnisse du dankbar bist, ohne Bewertung deinen Tagesablauf für morgen durchgehen, dann aber auch zum Hier und Jetzt zurückkommen, Fußbad mit Ingwer und Natron wirkt Wunder, danach die Füße schön eincremen oder massieren
    • Generell kann ich dir zur Inspiration und zum Herantrauen total empfehlen, mal nach Kursen z.B. für Entspannungsmethoden zu schauen. Die Kreisvolkshochschulen bieten da z.B. viel an. Für viele Kurse übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen sogar die Kosten. Wenn du wie ich lieber für dich allein entspannst, schau doch mal bei youtube rein:

Hier noch ein paar tolle mp3’s, die ich auch sehr gerne höre:

Anleitung zur Atementspannung zum kostenlosen Download als mp3 der Techniker Krankenkasse

 

Jetzt wünsch ich dir eine gute Nacht und morgen einen entspannten Start in die Woche!

 

 

Quellen:

Studie der Techniker Krankenkasse “Schlaf gut, Deutschland!”

Steinzeit-Studie widerlegt Mythos vom modernen Schlafmangel

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